|
|
Maja Bosshard
zum Fisch musst du
Geranien essen
Geschichten, Gedichte und Bilder
mit einer Einführung von Prof. Dr. Christian
Scharfetter
ca. 160 Seiten, gebunden
Fadenheftung, Lesebändchen mit 21 vierfarbigen
Bildern
Fr. 34.-, Euro 20.-
ISBN 3-85990-045-5
erscheint im Oktober
|
Mit
Fichtennadeln parfümiert oder: Ich bin eine
Sparflamme
Ich
bin eine Sparflamme. Ich brenne lange, aber ich
brenne nie richtig; ich brenne nie richtig, weil
ich dann zu früh abgebrannt wäre. Ich
brenne immer nur so stark, dass ich nicht ganz
auslösche. So umschwirren mich weder Falter
noch Motten, nie hat sich eine die Flügel an
mir verbrannt. Und nie hat mich ein Mensch
genommen, weil er seine Dunkelheit erhellt haben
musste zur Verrichtung der täglichen Dinge.
Und alle meine Kraft und all meinen
Erfindungsreichtum hab ich gebraucht zur
Lösung der Frage: Wie brenne ich gerade so
stark und kein bisschen mehr, dass ich nicht
verlösche?
Weitere
Leseproben
|
|
Maja Bosshard blieb das
zur Lebensbewältigung nötige
Selbstverständnis versagt: Mit überscharfem Sinn
für Banalitäten und falsche Töne des Alltags
erlebte sie dessen (und ihre) Unzulänglichkeiten
hautnah und rieb sich auf in der widersprüchlichen
Sehnsucht nach Verankerung und befreiender
Leidenschaft.
Schreiben und
künstlerisches Gestalten halfen ihr bei der
Auseinandersetzung mit ihrer sensiblen, kantigen
Persönlichkeit und der Welt, in der sie sich fremd
fühlte, aneckte und schliesslich krank wurde. So
entstanden im Laufe ihrer inneren Kämpfe Bilder,
Objekte, Gedichte und Kurztexte, die ihre Gratwanderung
dokumentieren und uns mit ihrem Schillern zwischen Vertraut
und Unvertraut, mit ihrer Direktheit und ihrem
existenziellen Gehalt in ihren Bann ziehen.
Maja Bosshard hat zu
Lebzeiten nur im Verborgenen gearbeitet und nichts
veröffentlicht. Erst nach ihrem Tod wurden Texte und
bildnerische Arbeiten entdeckt und von ihrer Schwester
Ursula Sauser gesichtet. Da Maja Bosshards Werk durch seine
künstlerische Aussage und durch seine Nähe zur Art
Brut weit übers Private hinausweist, unternahm Ursula
Sauser bald erste Schritte, um es auch der
Öffentlichkeit zugänglich zu machen: Im Jahr 2000
fand im Kunstraum Aarau eine Ausstellung statt, die auf ein
sehr berührtes und interessiertes Publikum
stiess.
|
|
Maja
Bosshard
wurde 1952 geboren. Sie wuchs in Wettingen im
Aargau auf, besuchte dort die Schulen bis zum
Lehrerseminar und wirkte als Lehrerin und
Erzieherin an Primarschule, Sonderschule und in
verschiedenen Heimen. Später liess sie sich
zur Handweberin ausbilden und arbeitete
selbstständig in diesem Beruf. Nach einem
zweijährigen Aufenthalt in Holland trat sie
eine Stelle in einem Bio-Genossenschaftsladen in
Zürich an und arbeitete anschliessend als
Lehrerin an der heilpädagogischen Schule in
Uster. Parallel zu ihrem zunehmenden
künstlerischen Schaffen zog sich Maja Bosshard
immer mehr von Familie und FreundInnen zurück.
Sie erkrankte und wurde während ein paar
Monaten in einer psychiatrischen Klinik behandelt.
Obwohl sie nach ihrer Entlassung wieder arbeitete,
wurde offensichtlich, dass sie den Anforderungen
des Berufs- und Alltagslebens nur schlecht
gewachsen war. Auf einer Ferienreise in São
Paulo/Brasilien stürzte Maja im Dezember 1992
aus dem Fenster ihres Hotelzimmers im 4. Stock zu
Tode. Ob es ein Unfall, Verbrechen oder Suizid war,
konnte nicht schlüssig geklärt
werden.
|
|