Walter Matthias Diggelmann
Geschichten um Abel
und ausgewählte frühe Erzählungen
Werkausgabe Band 1,
herausgegeben von Klara Obermüller,
Einleitung Jean Villain,
Nachwort Roland Links
288 Seiten, gebunden,
Fadenheftung, Lesebändchen
Fr. 34.-, Euro 18.50
ISBN 3-85990-021-8

 

Leseprobe

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Die Werkausgabe in sechs Bänden

Band 1: Geschichten um Abel und ausgewählte frühe Erzählungen, 2000
Band 2: "Der falsche Zug"
Erzählungen, Lyrik, 2001
Band 3: "Das Verhör des Harry Wind"
Roman, 2002
Band 4: "Die Hinterlassenschaft"
Roman, 2003
Band 5: "Filippinis Garten/Schatten", 2004
Band 6: So, das bin ich, Briefe und Selbstzeugnisse, 2005

 

"Die Vorgänge erhalten nicht eine Erhöhung ins Exemplarische, sie sind ganz einfach Wirklichkeit. Für Diggelmann gibt es nur die Geschichte, die Erzählung - keinen Kommentar, keine Reflexionen. Das alles steckt in der Folgerichtigkeit der Fabel, in ihrer eigenen Wahrheit, die das Geschehen für den Leser nachempfindbar, überdenkbar macht."
(Hugo Leber 1960 im Rheinischen Merkur zur Erstveröffentlichung von "Geschichten um Abel")

"Geschichten um Abel", Diggelmanns erster Roman, ist 1960 erschienen und enthält bereits alles, was das spätere Schaffen des Autors ausmacht. Es ist ein Roman in Geschichten, er ist stark autobiografisch und kreist um all jene Themen, die Diggelmann ein Leben lang beschäftigen sollten: die Suche nach der eigenen Herkunft, der eigenen Identität, die Sehnsucht nach Liebe und Zugehörigkeit und die immer wiederkehrende Angst, verlassen zu werden. "Er kleidet die Wahrheit in Geschichten", heisst es von einer Figur des Romans. Diggelmann hat zeit seines Lebens nichts anderes getan, als Geschichten zu erfinden: Geschichten zu seiner Verteidigung, Geschichten zum Überleben, Geschichten als Ort, sich seiner selbst und der eigenen Wahrheit gewiss zu werden. In den drei Jahre später erschienenen Erzählungen tritt Abel wieder auf, unter anderem Namen, aber mit den gleichen Erfahrungen, den gleichen Sehnsüchten, den gleichen Ängsten: ein Suchender, der wissen will, woher er kommt, wer er ist und wohin er gehört.

Walter Matthias Diggelmann (1927-1979)
war seit Beginn der sechziger Jahre einer der bekanntesten, profiliertesten und auch umstrittensten Autoren der Schweiz. Obwohl er stets von den eigenen Erfahrungen ausging und im Grunde immer nur über sich selber schrieb, geriet er tief in die ideologischen Auseinandersetzungen seiner Zeit und sorgte mit seinen Büchern für zum Teil hitzige politische Debatten. Das machte ihn anfechtbar und unbeliebt und führte dazu, dass er seine Bücher über Jahre nur noch in Deutschland veröffentlichen konnte.

Unehelich geboren und in ärmlichen Verhältnissen aufgewachsen, fühlte WMD sich zeitlebens als Aussenseiter und setzte sich, wo immer er konnte, für jene ein, die sich selbst nicht wehren konnten. Doch der politische Kämpfer ist vom Erzähler nicht zu trennen. Schreibend hat sich Diggelmann seinen Platz in der Gesellschaft erobert. Leben und Schreiben waren für ihn eins und kannten beide nur das eine Ziel, die eine Sehnsucht: sich selbst zu finden, sich selbst zu erfinden, so lange, bis die tödliche Krankheit ihn zum Verstummen brachte.

Diggelmanns Werk umfasst zehn Romane, drei Jugendbücher, mehrere Erzählbände, zahlreiche Hörspiele, Filmszenarien, Theaterstücke und Fernsehspiele, Reportagen, Tagebücher und Gedichte sowie unzählige Kolumnen, in denen er zu sozialen und politischen Themen des Tages Stellung genommen hat. Ein Grossteil seiner Bücher ist in Deutschland erschienen und wurde in zahlreiche Sprachen übersetzt.