Teufelspferd

Tomas Gonzalez
Die Teufelspferdchen
Roman, ca. 160 Seiten,
übersetzt von Peter und Ofelia Schultze-Kraft,
160 Seiten, Fadenheftung Lesebändchen,
Fr. 27.-, Euro 16.90
ISBN 978-3-85990-127-8

Der Protagonist dieses Romans hat keinen Namen. Er wird "der, der sich zwischen den Pflanzen verliert" genannt. Wir kennen ihn bereits aus Tomas Gonzalez' früher erschienenen Romanen: In Horacios Geschichte ist er noch ein Jugendlicher, einer von lvaros Söhnen, Jeronimo Guillermos Vetter, J.s und Davids Bruder und wird als "der, der etwas von Bäumen verstand" vorgestellt. In "Am Anfang war das Meer" ist er der "Verwandte", von dem sich J. um seine Erbschaft betrogen fühlt und der am Ende J.s Beerdigung effizient und herzlos in die Hand nimmt.

Der Roman beschreibt, wie der Protagonist eine Finca am Rand der Grossstadt Medell’n erwirbt und bewirtschaftet. Diese Bewirtschaftung - ein kontinuierlicher Ausbau und eine ständige Verschönerung des kleinen Landguts -, die er und seine Frau Pilar mit eigenen Händen betreiben, führt die beiden in eine immer grössere Einsamkeit. Es ist ein vielschichtiger, tiefgründiger, geheimnisvoller Roman, das Charakterbild eines Mannes, der - vor einer Schuld fliehend? - sich zunehmend von der Welt abkapselt und von der Vegetation, die er selbst hervorbringt, schlucken lässt. Mit der Finca schafft sich der Protagonist durch unermüdliche Arbeit ein von der verpesteten, habgierigen, gewalttätigen Aussenwelt abgenabeltes Mikroparadies, das zugleich eine Hölle ist, weil ein †bermass an Schönheit und Perfektion etwas Erstickendes hat und weil er sich selbst nicht entfliehen kann. Neben dem Protagonisten und seiner Frau werden mehrere Familienangehörige - unter anderen J. als junger Heisssporn in Medell’n und David, das alter ego des Autors - und viele Nebenfiguren lebendig.

Kurz gesagt: Das Buch ist die spannende, brillant erzählte Geschichte eines Scheiterns innerhalb eines Scheiterns, der persönliche Schiffbruch des Protagonisten innerhalb des Niedergangs der kolumbianischen Gesellschaft (hier aufgezeigt am Beispiel der Stadt Medellin).

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Tomas Gonzalez
1950 im kolumbianischen  Medellin geboren, studierte Philosophie, war Barmann in der Diskothek "El goce pagano" (Der Heidenspass) in Bogota, betrieb eine Fahrradmontage-Werkstatt in Miami, verbrachte 16 Jahre als Übersetzer in New York. 2002 kehrte er nach Kolumbien zurück und lebt heute mit seiner Frau in einem kleinen Ort auf der Hochebene von Bogota.

Im Verlag edition 8 sind folgende Bücher von Thomas González erschienen:
Horacios Geschichte
Am Anfang war das Meer
Carola Dicksens unendliche Reise
Die Teufelspferdchen
Die versandete Zeit

Herausgegeben mit Unterstützung von LitpromGesellschaft zur Förderung der Literatur aus Afrika, Asien und Lateinamerika

Porträt von Thomas Gonzalez in den Literatur Nachrichten (Litprom)

Rezensionen
Die Presse
Südwind-Magazin 10/08
FAZ
NZZ am Sonntag
Kritische Ausgabe
NZZ
Die Welt