Walter Matthias Diggelmann
Das Verhör des Harry Wind
Roman
Werkausgabe Band 3
Herausgegeben von Klara Obermüller, mit einem Nachwort von Peter Spring
256 Seiten, gebunden, Fadenheftung, Lesebändchen
Fr. 33.-, Euro 18.20
ISBN 3-85990-023-4

Der Roman "Das Verhör des Harry Wind" - der dritte Band der sechsbändigen Werkausgabe in der edition 8 - machte Walter Matthias Diggelmann 1962 schlagartig auch über die Landesgrenzen hinaus bekannt. Brisant und hoch aktuell war nicht nur das Thema des Buches; auch der Stil, ein karger, stark dokumentarisch geprägter Realismus, war neu und traf offensichtlich den Geschmack der Zeit.

 

Wie bei Diggelmann üblich, entstammte der Stoff zu diesem Roman wiederum der ganz persönlichen Erfahrung. Als Texter in der Werbeagentur von Rudolf Farner hatte er die damals brandneuen Methoden der politischen Public-Relation kennen gelernt. Erstaunt und schockiert stellte er fest, wie leicht sich Stimmungen instrumentalisieren und Meinungen manipulieren liessen. Gleichzeitig war er aber auch fasziniert von der Persönlichkeit Rudolf Farners, der Macht und Einfluss spielen liess, wenn es darum ging, seine politischen und wirtschaftlichen Interessen durchzusetzen.

Harry Wind ist nicht Rudolf Farner, aber er trägt deutliche Züge des erfolgreichen Werbers, die ihrerseits mit stark autobiografischen Elementen durchsetzt sind. Diese Verbindung von beruflicher und lebensgeschichtlicher Erfahrung verleiht dem Roman eine hohe Authentizität. Zwar wirkt die Auseinandersetzung um Armee- und Abrüstungsfragen vor dem Hintergrund des Kalten Krieges heute etwas zeitgebunden; die Grundfragen des Buches aber - Fragen nach Wahrheit und Lüge sowohl im öffentlichen Diskurs wie innerhalb der eigenen Lebensgeschichte - haben nichts von ihrer Gültigkeit verloren.

 


Leseprobe

Rezensionen zu Büchern von WMD, Artikel über WMD

Verfilmung
Der Roman "Das Verhör des Harry Wind" wird 2008 mit Klaus Maria Brandauer und Sebastian Koch in den Hauptrollen verfilmt.

Wie alle Figuren im Werk Walter Matthias Diggelmanns ist auch der des Landesverrats angeklagte Harry Wind ein Geschichtenerzähler und Geschichtenerfinder auf Gedeih und Verderben. Was für den Werber ein raffiniert eingesetztes Arbeitsinstrument war, wird für den Angeklagten ein geschickt genutztes Mittel zur eigenen Verteidigung. Für Diggelmann selbst waren Geschichten immer beides: eine literarische Form und der Versuch, der eigenen Wahrheit auf die Spur zu kommen.

  

Die Werkausgabe in sechs Bänden

Band 1: Geschichten um Abel und ausgewählte frühe Erzählungen, 2000
Band 2: "Der falsche Zug"
Erzählungen, Lyrik, 2001
Band 3: "Das Verhör des Harry Wind"
Roman, 2002
Band 4: "Die Hinterlassenschaft"
Roman, 2003
Band 5: "Filippinis Garten/Schatten", 2004
Band 6: So, das bin ich, Briefe und Selbstzeugnisse, 2005