"Carlino"

Leseprobe

Eines Morgens gegen Ende Oktober - auf dem Boden lag Frost - sahen wir jenseits einer Nebenstrasse ein graues Schloss auf einem Hügel. Canossa, erklärte ein Bauer, eine sehr alte Burg. Ich dachte an den Kaiser, der am Schlosstor drei Tage lang barfuss im Schnee gestanden und auf Absolution gewartet hatte, an Winter und die Kälte auf den Gipfeln. Eine Woche später erwachten wir mitten im Frost und sahen, dass der Apennin über Nacht weiss geworden war. Wir mussten hinübergelangen, bevor die Pässe blockiert waren. An diesem Tag verliessen wir die Nebenpfade und nahmen allen Mut zusammen, um auf der Hauptstrasse zu laufen. Wir stiessen bei einer Brücke auf sie - die Strasse von Modena zum Abetone-Pass und der Grenze zur Toskana. Wir marschierten gegen einen steifen Wind an. Auf ein paar Haarnadelkurven überholten wir eine Schafherde und grüssten den Schäfer. Wir gingen durch Dörfer und an Gasthöfen vorbei. Städter, Evakuierte, die auf der Landstrasse wie Immigranten ausserhalb der Saison wanderten, drehten sich um und starrten uns an, als wir vorbeimarschierten. Der Apennin wuchs weiss bespitzt vor uns empor. Einen Tagesmarsch von der Passhöhe entfernt verbrachten wir die Nacht in einem Haus an der Strasse - reiche Bauern mit einem Neffen, der aus der Stadt in der Ebene evakuiert worden war, ein Gymnasiast, der sich vor uns aufspielte. Die Strasse sei sehr ruhig, meinten wir - keinerlei Verkehr. Sie lachten. Der Passübergang war gesperrt.

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Deutsche Site über den Widerstand gegen die deutsche Besatzung und den Faschismus in Italien
Zeitleiste Zweiter Weltkrieg
Alliierter Vormarsch in Italien
Ein kurzer geschichtlicher Abriss mit Querverweisen
Die Resistenza in Italien
Associazione Nazionale Partigiani d'Italia
Die Vereinigung der italienischen Partisanen
Niccioleta - ein Besuch in Italien
Bericht auf der Homepage der Vereinigung der Opfer des Naziregmies, Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten
Wanderungen auf den Spuren der Resistenza
Bella Ciao
Das Partisanenlied in einer deutschen Übersetzung
Partisanenfotos von Luciano Giachetti

Stuart Hood
Porträt des Museums of Broadcast Communications
Memoirs of the Italian Resistance
Ein Text von Stuart Hood

Am nächsten Morgen trieb ein Schneeschauer über die Strasse. Bald waren die Bäume und das Gras entlang des Wegs voller weisser Flecken. Wir befanden uns jetzt hoch über allen Kastanienbäumen und Eichenbüschen, inmitten der Kiefern. Der Schnee lag in kleinen Wehen, die sich bewegten und zuckten, wenn der Wind von der Gipfelhöhe blies. Jenseits des Tals konnten wir die Schneegrenze auf den Bergen sehen; wir befanden uns deutlich oberhalb davon. Der Wind schnitt durch die Hemden und stopfte uns den Atem in die Kehle zurück. Der Schnee wurde tiefer und gleichmässig. Wie Ochsen im Schlamm mussten wir uns bei jedem Schritt aus den Verwehungen ziehen. Die Strasse verlief gegen den Pass hin flacher und fiel dann ab. Ich schaute hinunter und sah, dass der Schnee auf dem Südabhang dünner lag. Ted zitterte, und sein Schritt wurde schwächer. Unterhalb der Schneegrenze, etwa einen Kilometer entfernt, befand sich ein Gasthaus an der Strasse. Ich marschierte voran. Der Schnee tropfte von meinen Schuhen auf die nackte Bergstrasse. Ich dachte an die Wärme des Gasthauses. Drinnen summten Stimmen. Ich stiess die Tür auf und fand mich in einem Raum voller faschistischer Milizionäre. Sie schauten mich mässig interessiert an. Ich grüsste sie und blickte umher, als ob ich erwarte, jemand werde vortreten und mich in der Wärme willkommen heissen. Niemand rührte sich. Ich schüttelte den Kopf, als ob zu sagen: Er ist nicht hier. Sie wandten sich wieder ihrem Gepräch zu. Ich ging hinaus. Die Tür fiel hinter mir ins Schloss, und der Lärm der Stimmen wurde gedämpft. Draussen traf ich Ted, der sich erholt hatte und fähig war, weiterzugehen. Wir marschierten gleichmässig und unterdrückten den Impuls, zurückzuschauen. Es gab keine Rufe, keine rennenden Schritte, kein Gezeter. Nach etwa eineinhalb Kilometern hielten wir bei einer Schäferhütte, die am Strassenrand versteckt lag. Der Schäfer hatte eine Frau mit einem blassen, ruhigen Gesicht. Sie sprachen toskanisch. Morgen wird es besser sein, sagte ich. Wir schliefen mit den Schafen und Ziegen in einem Bett aus Kastanienlaub, in einer niedrigen Hütte, die nach Ziegenkot und Urin stank. Aber der Atem der Tiere und die Hitze ihrer zusammengedrängten Körper wärmten uns.

Am nächsten Tag standen wir am Talrand und schauten über eine helle, sonnige Landschaft gegen die Marmorberge von Carrara; ihre Gipfel glänzten wie Schnee. Unter uns fiel das Land steil in ein tiefes Tal ab, voller Wege und Flüsse, mit guter Deckung. Wir rannten durch das raschelnde Laub hinunter. Die Büsche atmeten die Luft ein, und die Sonne schien warm.

Das war in der ersten Novemberwoche. Die Alliierten befanden sich irgendwo oberhalb von Neapel - 450 Kilometer im Süden.

Als ich die Hütte zwanzig Jahre später suchte, fand ich sie nicht mehr. Das ganze Bild des Bergpasses, wie es sich in meinem Geist darstellt, widerspricht der wirklichen Geografie. Ich erinnere mich an ein langes Tal zu unserer Rechten; es ist zur Linken. Der Übergang über den Pass ist länger, als ich ihn in Erinnerung habe. Die Gaststätte befindet sich nicht dort, wo ich sie vermutete. Meine Topografie ist wirklicher.

 

***

 

In der Abenddämmerung stiegen wir zum Bauernhaus hinunter. Wir kochten von unserem eigenen Vorrat. Zum ersten Mal fühlte ich die zweideutige Stimmung der Bauernschaft. Furcht wechselte sich mit Abscheu vor dem Regime ab. Sie wussten, dass die Partisanen letztlich verschwinden konnten. Sie selber waren an ihren Hof und an den Jahreskreislauf gebunden, mit Oliven, die tief unten am Abhang gepflückt, mit dem Schwein, das geschlachtet und geräuchert, und dem Futter, das für den Ochsen im Stall geschnitten werden musste.

In dieser Nacht schliefen wir in der steinernen Viehhütte. Einen Wachposten gab es nicht. Als ich mich nach Mitternacht erhob, sah ich den Morgenstern über mir. Eine klare Frostnacht. Als ich mich wieder niederlegte, fühlte ich im Stroh nach dem kurzen italienischen Karabiner. Es war mein achtundzwanzigster Geburtstag.

Am nächsten Tag buddelten wir unsere Waffen aus dem Stroh und überprüften sie. Wir hatten ein schweres Maschinengewehr, mit Wasser zu kühlen, die klassische Waffe der Revolution. Ted brachte mir die grundlegenden Handgriffe bei. Für ihn bedeutete es nicht den Sturm auf den Winterpalast und die Interventionskriege, sondern die kleinen Steinforts, die sangars, der Kriege an der indisch-afghanischen Grenze. Ich setzte mich ans Maschinengewehr und drückte mit den Daumen auf den Abzug. Das Visier war auf 1000 Meter eingestellt. Es hätte einen Feuerkegel entlang des Wegs vom Tal herauf gelegt. Ich erinnerte mich an meinen Waffeninstruktor, wie er durch seine Zahnprothese mit Glasgower Dehnung gefragt hatte: "Was heisst Flankenfeuer?" Und die rituelle Antwort der Klasse: "Flankenfeuer bedeutet, Feuerstösse durch die ganze Linie zu geben." Mit der Betonung auf "geben". Er konnte nicht lesen und erlaubte keinerlei Abweichung von der Formel.

Wir fragten, wie viel Munition vorhanden sei. Keine. Also vergruben wir das Maschinengewehr wieder im Heu.Wir hatten ein leichtes Maschinengewehr, Marke Breda, immer noch eingeschmiert wie im Waffendepot, mit einer Kiste dünner schwarzer Magazine, alle voll geladen. Der Maschinengewehrschütze war unser Koch, ein breitschultriger Sarde, mit der leichten Fettleibigkeit eines Mannes, der seine Tage über den Kombüsenfeuern zugebracht und die Rationen gekostet hat. Wir stritten über die Ladung der Magazine. Sie waren zu voll gestopft, und die Springfedern würden darunter leiden. Er bestritt das. Er wollte sowieso Leuchtspurgeschosse nachladen. Eines von fünfen mit Leuchtspurgeschossen. Aber zuerst wollte er das Maschinengewehr ausprobieren. Er baute es ausserhalb der Hütte auf und verfeuerte ein ganzes Magazin in ein paar langen Feuerstössen. Die Kugeln prallten sirrend vom Felsen ab, den er als Ziel gewählt hatte. Das Tal füllte sich mit Lärm; die Hügel warfen ihn in die Ebene hinunter. Die Bäuerinnen traten erschrocken unter die Türe. Der Sarde lachte. Jede Kugel ist ein verschossener Same, das Geschützfeuer orgiastisch. In diesem Sinn ist Krieg eine unfruchtbare Selbstbefriedigung einsamer Männer.

Wir hatten ein russisches automatisches Gewehr ohne Munition. Schwer, aber gut gemacht. Es wurde als politisches Symbol aufbewahrt. Andrej ergriff es und handhabte es voller Zuneigung. Wir hatten ein paar der italienischen Armeegewehre mit langen Läufen - Modell 1898. Wir hatten ebenso viele kurzläufige moderne italienische Karabiner mit hoher Schussgeschwindigkeit und schlechtem Visier. Wir hatten einen Rucksack voller kleiner roter italienischer Handgranaten. Zwei dünne Metallschalen; eine Ladung in der grösseren der beiden, in der andern eine Bleikugel. Sie explodierten beim Aufprall, indem die Kugel eine Nadel in ein Zündblättchen in der Ladung trieb. Oder sie fielen auf die Seite und explodierten gar nicht. In Abessinien hatte ich gesehen, wie sich Dorfkinder an den Blindgängern verletzt hatten, die von einem Scheingefecht zwischen zwei Gruppen meiner eigenen Kompanie übrig geblieben waren. Auf den Schlachtfeldern von Eritrea zerrissen sie die Affen, die zwischen den Überresten und Gräbern herumscharrten.

Den Rest des Tages warteten wir. Mit Ted marschierte ich über die Bergschulter und sah zu unsern Füssen, im Dunst, der aus dem Arno stieg, den untersetzten Dom Santa Maria del Fiore und Giottos Campanile. Es verlieh unserer Isolation eine Schärfe, an das morgendliche Leben in der Stadt zu denken, an die Büros, die Läden, Trams, Pferdekutschen, die Schneider und Schuhmacher, die kleinen Werkstätten und die langen Fabrikgebäude. Wir wurden auch schockartig verunsichert, zu sehen, wie nahe wir der Stadt waren, nahe bei den Kasernen, der Festung, dem Polizei-Hauptquartier, der Ortskommandantur. Aber die Stadt bildete unsere Basis, von der Il Capo jederzeit zurückkehren konnte, mit Geld, Munition oder vielleicht Befehlen, wegzuziehen, in die hohen Berge oberhalb von Bologna, wo die Garibaldi-Brigaden gebildet wurden.An diesem Abend kam er von Sesto her hochgehumpelt. Lanciotto, in Friedenszeiten Metzger in einem Dorf ausserhalb von Florenz. Ein grosser Mann mit hellen Haaren, in den Dreissigern, mit viereckigem Gesicht, gut aussehend in einer oberflächlichen Weise, ein wenig eitel. Er besass die gebrochene Nase eines Profi-Boxers. Sein Hinken rührte von einer Verletzung im Abessinien-Feldzug her. Wegen ihr war er in diesem Krieg zu Garnison-Dienst in Florenz verknurrt worden. Am 8. September hatte er einen Lastwagen mit allen Waffen beladen, die er in die Hände bekam - Gewehre, Maschinengewehre, Munition, Mörser und Granaten -, und war die Flanke des Monte Morello hochgefahren. Aus den Waffenverstecken, die damals gebildet wurden, stammten auch unsere Waffen. Er war ein Kämpfer, ein Kommunist, vollkommen unbeleckt von einer Doktrin, persönlich furchtlos, aber mit keinerlei Begabung, Männer anzuführen. Seine Eitelkeit war harmlos, ein Überrest aus den Tagen als Boxer, der ihm immer noch anhing. Er erklärte, wir müssten warten.

Weihnachten verstrich. Wir marschierten in kleinen Gruppen zu den Bauernhöfen, die näher zum Tal lagen, die Gewehre über die Schultern gehängt. Beim Gehen erklärte mir Ted, wo man Überfälle durchführen konnte, und erläuterte die grundlegende Strategie eines Hügelkampfs - der vorgetäuschte Rückzug über einen Kamm, der den Gegner unten aufstehen und aufwärts ins verdeckte Feuer rennen lässt; die Lockschüsse, die eine Marschkolonne auf einem Bergpfad dazu verführen, den auf der andern Seite des Tals versteckten Scharfschützen ihre Rücken zuzudrehen. Wir hielten am Haus eines Müllers. Die Frauen wuschen draussen die Leinen im eisigen Wasser eines Bergbachs. Zu Mittag assen wir Schweineblut, das mit Mehl bestäubt und in Öl gebraten war, ein dunkles, schwammiges Gemantsche, wie künstlicher Gummi. Den ganzen Nachmittag lang spielten wir Lotto und erkannten darin unser eigenes housey-housey-Bingo. Einunddreissig, rief der Ansager, das Alter unseres Herrn. Später gingen wir in die Ebene hinunter und verbrachten in Sesto die Nacht. Jetzt vernahm ich zum ersten Mal, dass Florenz rot war, und fühlte die Solidarität des städtischen Proletariats, hörte von den Streiks in den Galileo-Fabriken und von den versiegelten Zügen mit menschlicher Fracht - politische Gefangene? Juden? Kriegsgefangene? - durch das Tal nach Bologna und in den Norden. Und ich erfuhr, aus zweiter Hand, von den Killerkommandos des Widerstands, der GAP (Gruppi Azione Partigiani), von Dario, dem toskanischen Eisenbahnarbeiter, gegründet, der die Garibaldi-Einheiten in der Emilia befehligte. Ein paar Monate später würden sie in den Strassen von Florenz Giovanni Gentile niederschiessen, den Philosophen und Schriftsteller, vielleicht der einzige Mensch mit intellektueller Reputation, der sich offen zur Faschistischen Republik bekannt hatte. In Rom würden sie am 23. März 1944 eine Bombe in der Via Rasella explodieren lassen, 33 Südtiroler Freiwillige töten, die sich in der deutschen Militärpolizei eingeschrieben hatten, und damit gleichentags das Massaker an 355 Gefangenen in den Höhlen von Ardeatino auslösen.

Bewaffnet marschierten wir durch die morgendlichen Strassen wieder in die Hügel hinauf.

In der Hütte löste das Warten Spannungen aus. Ein Bursche, der mit seinem Gewehr hantierte, feuerte eine Runde ab, die in den Fels prallte. Entwaffnet, weinte er und versprach, vorsichtiger zu sein. Die Russen schauten zu und schüttelten die Köpfe. Dies waren Jungen des Jahrgangs 1925, von Mussolinis Republik von Salò einberufen, formell Deserteure und mit der Todesstrafe bedroht. Sie waren tief verängstigt und verbargen es unter Handgreiflichkeiten und Prahlereien. Es gab ein Bordell - ein gutes - in der Nähe der Stadt. Sie wollten hinuntergehen, a donne. Schliesslich war Weihnachten, und es war nicht sehr unterhaltsam, auf den Hügeln herumzusitzen. Lanciotto verabreichte ihnen eine Lektion in proletarischer Moral. Sie murrten und fügten sich dann.

Zu Mittag assen wir eine lokale Delikatesse - Kalbsdarm. Gesottene weisse Schläuche.

Am Abend ging Lanciotto wieder weg. Es war früh dunkel. Ich teilte die Nacht in Wachstunden und schlug vor, sie zu teilen. Zu meiner Überraschung stimmten alle zu. Aber in der Nacht standen die Jungen nicht auf, wenn sie gerufen wurden. Nur Ted, die Jugoslawen und die Russen absolvierten ihren Wachdienst. Am nächsten Tag stritten wir uns ein wenig, doch sie weigerten sich, die Notwendigkeit einzusehen. Sie werden nicht kommen, sagten sie, sie haben zu viel Angst, die "Repubblicchini". Ich fand den Übernamen bewundernswert bösartig; eine Verkleinerung von "Repubblicani", fasste er die moralische Schmutzigkeit von Mussolinis Republik von Salò zusammen.

Mit Totó stritt ich über Politik. Er war Mechaniker. Ich hatte Männer wie ihn zuvor gekannt, in den Gewerkschaften und in den Schulungskursen der Arbeiterbewegung - schnell, praktisch, sehr belesen in den Klassikern der Revolution, aber rigide im Denken. Ein Autodidakt, fürchtete er sich davor, seinem Geist zu viel Freiheit zu geben. Er war, ohne es zu wissen, ein Trotzkist, ein romantischer Revolutionär, mit einem tiefen Glauben an die levée en masse und einer ebenso tiefen Unkenntnis der russischen Situation. Er war ein Mann, der die faschistischen Gefängnisse von innen kannte, ebenso wie die summarischen Prozesse der Geheimgerichte. Von ihm lernte ich die Namen der italienischen Revolutionäre - Antonio Gramsci, 1936 nach zehn Jahren Gefangenschaft gestorben, der für die Arbeiter von Turin in der breiten Tradition von Rosa Luxemburg gesprochen hatte, und neue Männer wie Ercole Ercoli, der aus Moskau sendete, dessen wahrer Name, wie geflüstert wurde, Togliatti war. Totó war ein Städter, der Hügel und Bergpfade verabscheute; nur die Tatsache, dass er während des Waffenstillstands aus dem Gefängnis entflohen war und nicht riskieren konnte, wieder gefangen zu werden, hielt ihn da, wo er war. An schönen Tagen wanderte er davon und schoss Singvögel. Dann assen wir pasta cogli uccellini.

Endlich kehrte Lanciotto zurück. Wir sollten weiter hinauf verschoben werden - aber in zwei Etappen. Der Hauptharst sollte zum Calvana hinübergehen und dort bei einem Bauernhof in einer Bergsenke warten; Totó würde ein kleineres Kommando übernehmen, um auf der andern Seite des Morello Sprengstoffe abzuholen, und uns wieder auf dem kahlen Berg treffen. Ted gehörte zu dieser Gruppe. Sie verliessen uns noch an diesem Abend.

Krieg ist eine grosse Schule der Beiläufigkeit. Ted stieg den Hügel mit einem "Bis bald" hinauf. Tatsächlich befand er sich an einem Wendepunkt seines Lebens. Unsere Wege trennten sich. Der Zufall brachte ihn nach Florenz, um auf einen Führer zu warten, der ihn über die Schweizer Grenze bringen würde. Langeweile liess ihn das Warten scheuen. Er nahm einen Zug nach Venedig und suchte vergebens nach einem Fischerboot, das ihn die Adria hinunterbringen würde, quartierte sich in einem Hotel voller deutscher Offiziere ein und kehrte unbehelligt nach Florenz zurück. Aus der Schweizer Internierung schloss er sich wieder seinem Bataillon an der italienischen Front an. Das Ende des Feldzugs brachte ihn zur Farm von Toccalmatto und zur Familie Tedeschi zurück. Sie griffen hoch nach einem Versteck in der Wand, hinter einer fliegendreckübersäten Fotografie, und gaben ihm seinen Ring zurück.