"Hudere Waser"

Leseprobe


V

An der getäferten Dachneige der Bar hing die lange bunte Glühbirnengirlande, die sonst der Gartenbeiz unter dem mächtigen Nussbaum in lauen Sommernächten einen fast südländischen Charme verlieh, die Dachfenster waren mit roten Tüchern verhängt. Die Bar war knapp zehn Meter lang und vielleicht sechs Meter in der Breite, die nicht ganz ausgenutzt werden konnte, weil sich das Dach nach links bis auf Hüfthöhe an die Aussenmauer absenkte. Der Tresen, eine provisorische Konstruktion aus ungehobelten Kanthölzern, schwarz gestrichenen Schaltafeln und einer Chromstahlabdeckung nahm beinahe den ganzen linken Teil ein. In der rechten hinteren Ecke standen auf einem kleinen Podest aus Holzpaletten zwei Ledersofas und vier Clubsessel um einen Nierentisch. Das waren die einzigen Sitzgelegenheiten, sonst bestand die Inneneinrichtung nur aus einem langen Ablagebrett, das auf Ellbogenhöhe an die rechte Wand gedübelt war, und vier futuristischen dreidimensionalen Skulpturen, die den Strichmännchen des Sprayers von Zürich ähnlich sahen. Sie waren aus Armierungseisen gefertigt, mit oranger Korrosionsschutzfarbe bemalt, etwa zweieinhalb Meter hoch, und hatten mehrere stilisierte Arme, die auf Brusthöhe eine Art Serviertablett aus kurzen aneinander geschweissten Stahlrohren trugen.

Die Bar war gut besetzt, und Eric musste sich einen Platz am Tresen errangeln. Er bestellte ein Bier, sah sich um und suchte nach Vreni, bis er sie bei der Skulptur in der Nähe der Polstermöbel stehen sah. Sie amüsierte sich mit Trix und zwei Männern in ihrem Alter, die er vom Sehen kannte. Er sah keinen Grund, sie zu stören, und drängte sich an das andere Ende des Tresen vor, von wo ihm Tom zugewunken hatte.
"Ciao, Eric. Hab mir doch gedacht, dass du hier auftauchst. Freut mich, dich gesund und munter zu sehen. Na, hat dich dein falscher Fuchs abgeholt?"
"Natürlich, ich hätte es mir denken können!" Unvermittelt schlug Eric mit der geballten Faust zu. Nicht allzu hart, aber auch nicht gerade zärtlich traf er Toms Oberarm. Tom fluchte scheinbar entrüstet, umarmte dann aber grinsend seinen um drei Jahre jüngeren Bruder. Bis auf ihre überdurchschnittliche Körperlänge und die dunklen Augen sahen sie sich wenig ähnlich. Tom trug seine hellbraunen Locken modisch kurz geschnitten, war gut zwanzig Kilo schwerer und hatte das breitflächige Gesicht der Mutter.
"Warum hast du es ihr gesagt?", fragte Eric.
"Mach keinen Aufstand, Kleiner! Es gibt Schlimmeres, als von einer so bezaubernden und bildschönen Frau abgeholt zu werden. Deine Sorgen möchte ich haben", lachte Tom.
"Du weisst genau, dass ich solche Empfänge nicht mag. Klar, Vreni ist eine spannende Frau, und sie sieht verdammt gut aus, doch sie irritiert mich. Sie ist so zutraulich, als wären wir seit Jahr und Tag ein Paar, dabei kennt sie mich kaum. Gleichzeitig reagiert sie kühl, fast abweisend, wenn ich sie frage, wie ich mir diesen Service verdient habe. Aber was solls, ich werde schon dahinter kommen. Aber was ist mit dir? Wie läufts bei euch? Ist alles paletti?"
"Kommt drauf an. Claudia geht es gut, sie ist gerade auf der vorläufig letzten Nachtschicht, dann hat sie fünf Tage frei. Aber Silas macht uns Sorgen. Seit einem Monat, seit wir den Vertrag für seine Lehrstelle unterschrieben haben, schlägt er sich die Nächte um die Ohren und kommt kaum einmal vor Mitternacht nach Hause. Sein Klassenlehrer rief vor zwei Wochen an und fragte Claudia, ob sie eine Ahnung habe, warum Silas immer so müde und ausgelaugt sei. Wir hatten schon am Sonntag zuvor mit ihm diskutiert. Es war extrem schwierig, ihn davon zu überzeugen, dass er noch bis im Frühling einigermassen durchhalten muss. Du weisst, wie ihn die Schule ankotzt. Nach dem Anruf des Lehrers zog Claudia die Notbremse und untersagte ihm den Ausgang für eine Woche, was er nach einem kategorischen Nein plötzlich vorbehaltlos akzeptierte. Drei Tagen später rief der Lehrer wieder an und bat Claudia, die getroffene Massnahme, über die er von Silas informiert worden war, wieder rückgängig zu machen. Es sei ihm lieber, Silas schlafe in der Schule, als dass er auf Streber mache und die Lehrer die ganze Zeit mit idiotischen Fragen nerve und so zum Gaudi der ganzen Schulklasse den Unterricht lahm lege. Als Vater bin ich ja stolz darauf, wie er mit solchen Situationen umgeht, doch ich möchte nicht sein Lehrer sein. Silas kann so stur sein wie du, dabei ist er aber so gewitzt wie seine Mutter."
"Bei wem wird er stiften?"
"Moser Holzbau, Aarburg. Das ist ein solider und gut ausgelasteter Betrieb. Er lernt Bauschreiner."
"Renato hat mal dort gearbeitet. Mit dem alten Moser soll man auskommen, solange man die Arbeit macht. Dann brauchst du dir um Silas jedenfalls nicht wirklich Sorgen zu machen. Aber was ist mit dir? Trägst du deine intellektuellen Fähigkeiten immer noch zum Markt der Idioten oder hast du endlich eine anständige Arbeit gefunden?"
Eric liebte es, Tom wegen seines Jobs als Texter bei einer renommierten Zürcher Werbeagentur zu hänseln.
"Wer ist ein Idiot?", fragte Vreni, die unbemerkt von hinten zwischen die langen Brüder herangetreten war und nur Fetzen des letzten Satzes mitbekommen hatte.
"Schwamm drüber. Ihr kennt euch ja. Tom ist bereits der Zweite, der mir innert einer Stunde sagte, dass du eine tolle Frau bist. Du hast ja umfangreiche Recherchen über mich angestellt, sieht fast aus, als ob du mit einem Artikel über mich den Pulitzer-Preis gewinnen möchtest."

Trotz des schummrigen Lichts glaubte Eric zu erkennen, dass sie errötete.
"Wenn du dich drei Monate verkriechst, kann ich dich schlecht selbst fragen!", sagte sie spitz und blickte ihn trotzig an. Da war wieder dieses undurchschaubare Lächeln, das ihm bereits am Bahnhof aufgefallen war. Verunsichert wich er ihrem Blick aus. Er ärgerte sich, nicht freundlicher gewesen zu sein.
"Apropos Recherchen, Eric, du musst unbedingt deine Fiche bestellen! Die Frist läuft nächste Woche ab", sagte Tom, um das Schweigen zu brechen.
Vreni war froh, ihre journalistische Kompetenz ins Spiel bringen zu können. "Nein, das stimmt nicht ganz, die Frist wurde kürzlich verlängert. Aber du musst unbedingt einen eingeschriebenen Brief mit einer Ausweiskopie schicken, sonst wird dein Gesuch nicht bearbeitet."
"Fische? Warum soll ich per Einschreiben Fische bestellen. Die kann ich doch im Manor jederzeit fast fangfrisch kaufen. Ist das ein neuer Insiderwitz, oder was?"

Aus der Innenseite seines schwarzen Jacketts kramte Tom eine mehrfach gefaltete dünne Zeitung hervor und reichte sie Eric. "Das ist der "Fichen-FritzÜ, die Zeitung des Komitees Schluss mit dem Schnüffelstaat, das sich gebildet hat, nachdem im Dezember der Fichenskandal aufgeflogen ist. Fiche ist der französische Ausdruck für eine Karteikarte. So werden die Zusammenfassungen von Personendossiers genannt, welche die Bundespolizei über vermeintliche Staatsfeinde illegal angelegt hat. Gegen eine Million solcher Fichen wurden in der Folge des PUK-Berichts über den Kopp-Skandal in den Dunkelkammern der Nation entdeckt. Darunter waren auch Fichen von Parlamentsmitgliedern bis in die liberalen und konservativen Parteien hinein. Selbst die bürgerliche Presse und das konservativ-biedere Fernsehen hatten ihren Fichenskandal. Fast jeden Tag kamen neue Details ans Licht, der Skandal weitete sich zu einer Staatskrise aus, eine geheime Widerstandsarmee wurde entdeckt, die entsprechend den Gladiotruppen in den Nato-Ländern organisiert war, im Kriegsfall waren Internierungslager für Tausende Linke geplant. Diese Listen wurden zwar entdeckt, aber nicht veröffentlicht. Die Betroffenen haben sich im erwähnten Komitee organisiert, das sich aus über fünfzig oppositionellen Organisationen zusammensetzt. Die Sozialdemokraten und die Grünen konnten im Parlament gemeinsam mit liberalen Bürgerlichen das Akteneinsichtsrecht durchsetzen. Jetzt mobilisiert das Komitee zu einer Gross-Demonstration vor dem Bundeshaus. Der "Fichen-Fritz" druckte erste Auszüge aus Fichen von Ratsmitgliedern. Du hast wirklich etwas verpasst. Es war herrlich, die Betonköpfe fassungslos stotternd am Fernsehen zu sehen. Den GSoA-Schock noch nicht ansatzweise verdaut, fliegt ihnen diese Fichengeschichte um die Ohren. Ich habe meinen Antrag auf Akteneinsicht gestern abgeschickt. Du musst unbedingt auch Einsicht ins persönliche Dossier verlangen, wenn du das nicht extra vermerkst, kriegst du nur Kopien deiner Fiche."

Tom bestellte für sich und Vreni Wodka Sunrise und für Eric ein Bier.
"Den PUK-Bericht habe ich am Rande noch mitbekommen, aber die Geschichte mit den Fichen ist mir neu. Was sagst du, eine geheime Widerstandsarmee? Wenn das vor der Abstimmung geplatzt wäre, hätte die GSoA nicht nur über fünfunddreissig, sondern über fünfundvierzig Prozent gemacht. Ich kann es nicht fassen, dass ich meine Staatsschutzakten bestellen kann. Das kann nicht dein Ernst sein!"
Vreni zeigte sich überrascht, dass Tom und Eric so überzeugt waren, eine Fiche zu haben. Eric machte nicht den Eindruck eines Politaktivisten, er glich eher jenen Aussteigern, die wenig arbeiten wollten und es sich daneben gut gehen liessen, die sich dem Karrieredrang der Leistungsgesellschaft verweigerten und stundenlang über die Übel der Welt lamentierten, die aber selten aktiv etwas dagegen unternahmen. Vreni wusste, dass der grösste Teil der Fichen über Emigranten angelegt worden war, dass die Zahl der registrierten Eingeborenen höchstens bei zweihunderttausend lag. Ausserdem fichierte der Geheimdienst viele bloss deshalb, weil sie in sozialistischen Ländern Ferien gemacht hatten, und da sich die Einträge erst noch auf die letzten vierzig Jahre bezogen, konnte es nicht sein, dass es über jeden Nichteinsteiger eine Fiche gab. Also sagte sie: "Ich glaube nicht, dass es über dich eine Fiche gibt. Wenn die Bupo alle kiffenden Systemverweigerer registriert hätte, wären noch viel mehr Fichen aufgetaucht."
"Da bin ich aber erleichtert, dass du nicht alles über mich herausgefunden hast", sagte Eric und prostete ihr und Tom zu. "Ich mag es nicht, wenn die Informationen allzu einseitig verteilt sind. Ich habe unten mit Vince gesprochen. Du hast ihn mit deinem Charme und deiner Trinkfestigkeit mächtig beeindruckt. Aber er erzählte mir auch, du hättest ihm regelrecht ein Loch in den Bauch gefragt."

"Sei nicht so ein Grobian, Eric! Sei lieber froh, dass dein Rotschopf keine Ratte ist. Sonst hätte sie sich garantiert nicht ausgerechnet auf dem Höhepunkt des Schnüffelskandals so offenkundig und hartnäckig nach dir erkundigt." Tom wandte sich nach hinten, beugte sich zu Vreni hinunter und sagte lächelnd: "Ich muss mich für meinen kleinen Bruder entschuldigen. Ihm fehlt eine Frau, die ihn wenigstens ansatzweise zivilisiert. Eigentlich ist er ein lieber Kerl, doch manchmal ist er ruppiger als ein bockendes Wildpferd, das sich dagegen wehrt, zugeritten zu werden."
"Hör schon auf, Mann!" Eric verdrehte die Augen.
Tom nahm einen Schluck und grinste ihn an. "Ich weiss, dass du stolz auf dich bist, brauchst also nicht so bescheiden zu tun!" Er boxte ihn scherzhaft auf die Brust. "An seiner Konfirmation zum Beispiel, das ist zwar lange her, aber immer noch typisch für ihn, führte er sich so auf, dass sogar unser Vater, der mit der Kirche weiss Gott nichts im Sinn hatte, mitten in der Feier aufstand und hochroten Kopfes rausrannte. Du musst dir das vorstellen: die Konfirmanden standen in zwei Reihen hinter dem Altar, wo sie traditionelle Kirchenlieder sangen. Eric stand in der hinteren Reihe ganz aussen. In seinen weissen Turnschuhen, den weissen Jeans und dem marineblauen Kittel sah er aus wie ein junger stolzer Matrose vor der ersten grossen Ausfahrt. Während alle anderen artig sangen, blieb er stumm, und ich konnte sein berüchtigtes Lächeln sehen, dieses eigenartige Lächeln, bei dem er nur den rechten Mundwinkel leicht hochzieht. Der senile Dorfpfarrer Misteli, der diese Zeremonie seit Generationen unverändert durchführte, winkte einen Konfirmanden nach dem anderen zu sich und murmelte kaum vernehmbar seinen Spruch: "Ich überreiche dir als neues Mitglied unserer Kirchgemeinde zum ersten Mal das christliche Abendmahl, iss den Leib und trinke das Blut des Herrn" oder so ähnlich, und überreichte den sichtlich ergriffenen Jungchristen trockenes Brot und Traubensaft, und die Eltern und Verwandten in den Bänken waren stolz auf ihre herausgeputzten Sprösslinge. Am Schluss stand Eric allein oben, und er genoss es, dass alle Augenpaare auf ihn gerichtet waren. Statt jedoch würdevoll die zwei breiten Steinstufen zum Pfarrer, der in der Mitte des Kirchenschiffs stand, hinunterzuschreiten, wie ihm das seine Mitkonfirmanden vorgemacht hatten, sprang er mit einem Satz über die Treppe runter. In einer tiefen Hocke fing er den Sprung auf, streckte sich theatralisch und grinste die Kirchgemeinde unverfroren an. Ich wusste, da war noch mehr im Busch. Der Atem des Pfaffen ging schwer. Man sah, wie sich seine massigen Schultern hoben und senkten, und in diesem Moment der fast absoluten Stille war sein rasselndes Keuchen in der ganzen Kirche hörbar. Er war ein alter, konservativer, autoritärer und herzkranker Mann, der sich nicht aufregen durfte. Locker und betont lässig, gerade so, als wäre er auf dem Tennisplatz, ging Eric zu ihm hinüber und reckte sich vor ihm. Misteli war mindestens einen Kopf kleiner als Eric, musste also zu ihm aufschauen, und nur widerwillig, fast unhörbar brachte er seinen Spruch über die Lippen. Eric hätte nun einfach nichts zu sagen brauchen, und die Situation wäre gerettet gewesen. Doch ohne Eric. Als ihm der Pfarrer das Brot entgegenstreckt, sagt er laut und deutlich: "Tut mir Leid Herr MisteliÜ, er wusste genau, dass der Alte mit Pfarrer angesprochen werden wollte, "ich kann das nicht essen, ich bin Vegetarier." Empörtes Gemurmel ertönte von den Bänken her, und ich sah wie die Adern an den Schläfen des Pfarrers bedrohlich anschwollen. Dieser sagte etwas Unverständliches, worauf sich wieder Eric mit fester Stimme verlauten liess. "Nein, das ist kein Brot. Das ist der Leib des Herrn, wie Sie soeben sagten. Ich bin Vegetarier und esse kein Fleisch, schon gar kein Menschenfleisch!" Dann drehte er sich, nicht ohne genau zu beobachten, wie sein Publikum reagierte, langsam um und ging locker und beschwingt an seinen Platz. Vater stürmte aus der Kirche, und Misteli stand mit stierem Blick da, als wäre er zu einer Salzsäule erstarrt. Das Getuschel der Kirchgänger wurde immer lauter und aggressiver, bis die Organistin die Initiative übernahm und in die Tasten griff. Beim Essen mit der Verwandtschaft wurde so getan, als sei nichts geschehen. Bloss Max, der ältere Bruder des Vaters, nahm Eric vor dem Essen beiseite und sagte ihm, wie stolz er auf ihn war, dass er es diesen gottverdammten Scheinheiligen gezeigt hatte. Eric vergass, dass er sich als Vegetarier geoutet hatte, und biss kommentarlos in die Lammkeule, die zu Pommes-Frites und Gemüse gereicht wurde."

Vreni schmunzelte. Vince hatte ihr einige Storys erzählt, die nicht ganz so extravagant, aber nach einem ähnlichen Muster gestrickt waren. In der Schulzeit schien es geradezu Erics Steckenpferd gewesen zu sein, die Lehrerinnen und Lehrer mit Worten zur Weissglut zu treiben, während er jeweils ruhig zu bleiben pflegte. Sie legte Eric den Arm um die Hüfte.
"Mit dir scheint es jedenfalls nicht langweilig zu werden. Sag mal Eric, kannst du mir sagen, warum du anders bist als die meisten Leute, die ich kenne?"
"Ha, jetzt siehst dus. Jetzt fängt das Verhör mit dir an, so ging das die ganze Zeit, als sie mich über dich ausfragte. Aber keine Bange, dein grosser Bruder holt für dich die Kohlen aus dem Feuer. Vreni, ich weiss, dass du es freundlich meinst, wenn du sagst, er sei anders. Tatsache ist, dass wir beide nicht ganz normal sind. Das hängt damit zusammen, dass wir nicht wie andere Kinder aufwuchsen, was wiederum mit unseren Genen zu tun hatte."

Unvermittelt brach Tom ab, packte seinen Drink, ging schnurstracks zum Podest mit den Polstermöbeln, wo einige junge Männer das Feld räumten, und eroberte Sitzplätze für alle drei. Eric und Vreni nahmen auf dem Sofa Platz, Tom setzte sich in einen schwarzen Polstersessel, den er nahe an die Couch heranzog. Eric beobachtete, was sich auf dem Floor abspielte, während Tom in Fahrt gekommen munter drauflos erzählte.
"Also, was unsere Gene betrifft, will ich es kurz und schmerzlos machen. Wir sind Zigeuner, halbe Zigeuner, um genau zu sein. Wir sind Mischlinge, helvetische Mestizen." Überrascht schaute Vreni von Tom zu Eric, den sie musterte, als sähe sie ihn zum ersten Mal. Eric tat, als hätte er nicht zugehört, als würde er ihren forschenden Blick nicht wahrnehmen.
"Man sieht uns unsere Herkunft nicht an. Tatsache ist, dass unser Vater ein Jenischer, ein Fahrender war. Er wurde erst kurz vor meiner Geburt sesshaft, auf Wunsch der Mutter. Ich weiss nicht, ob wir das Fahren im Blut haben, ich jedenfalls hatte bisher nie das Bedürfnis, mit einem Wohnwagen durchs Land zu ziehen. Bei Eric bin ich mir dagegen nicht so sicher. Vielleicht sind seine Reisen darauf zurückzuführen, aber darauf wollte ich nicht hinaus. Was kommt dir in den Sinn, wenn du Zigeuner hörst?"
"Ausser dem Volkslied "Lustig ist das Zigeunerleben, brauchen dem Kaiser kein Geld zu geben" und dem Klischee, wonach alle Zigeuner Gauner sind, nur, dass mir meine Mutter jeweils sagte, ich sähe aus wie eine Hudere, wenn ich mich in ihren Augen schmuddelig angezogen hatte", sagte Vreni und schmiegte sich an Eric, der sich jedoch abrupt erhob und sagte: "Hudere-Waser kennt die Geschichte und geht jetzt eine Runde pissen. Machs kurz Tom, schau zu, dass du fertig bist, wenn ich wiederkomme."

Mit einem harten Klaps auf den Hintern verabschiedete ihn Vreni, und Eric wäre beinahe vom Podest gestolpert, hätte er sich nicht im letzten Moment an Toms Sessel festhalten können.
"Hast du einmal etwas über das so genannte Hilfswerk für die Kinder der Landstrasse gehört?", fragte Tom.
"Hatte das nicht etwas mit der Pro Juventute zu tun, die während Jahren die Kinder von Fahrenden in Heime gesteckt hat? Aber Genaueres weiss ich nicht", sagte Vreni, und Tom hörte das Bedauern in ihrer Stimme.
"Viel ist es nicht, aber du hast Recht, was die Pro Juventute betrifft, denn diese Stiftung, die vom Bund unterstützt wurde und wird, stand hinter dieser als Hilfswerk getarnten Verbrechergang. Während eines halben Jahrhunderts von neunzehnfünfundzwanzig bis neunzehndreiundsiebzig versuchten sie das Vagantentum auszurotten, wie sie es nannten. Zu diesem Zweck erfassten sie die Jenischen, die Roma und die Sinti in Registraturen, und sie begannen den fahrenden Familien und Sippen systematisch die Kinder zu stehlen, um ihnen das Zigeunerwesen auszutreiben. Mindestens sechshundertzwanzig Kinder wurden in dieser Zeit mit grosszügiger Beihilfe der Behörden gekidnappt, in Heime, in psychiatrische Kliniken oder in Pflegefamilien gesteckt. Es gab keine Sippe und praktisch keine Familie, die nicht direkt vom staatlichen Kindsraub betroffen war. Da die Akten des Hilfswerks selbst, aber auch der Pro Juventute, der Kantone und der Gemeinden, mit denen diese kriminelle Bande eng zusammenarbeitete, den Betroffenen oder der Öffentlichkeit nie vollumfänglich zugänglich gemacht wurden, kann man nicht sicher sein, dass diese sechshundertzwanzig Kinder wirklich die einzigen waren, die von diesem organisierten Verbrechen betroffen waren. Dazu kommen noch die erwachsenen Jenischen, die als Asoziale, Arbeitsscheue oder Gewohnheitsverbrecher bezichtigt wurden, damit sie in Zuchthäusern, Arbeitserziehungsanstalten oder in psychiatrischen Kliniken versenkt werden konnten. Keine Statistik gibt darüber Auskunft, wie viele jenische Mütter und Väter, wie viele jenische Kinder in diesem Krieg gegen die Fahrenden, den rassistische sesshafte Schweizer geführt haben und der von der Öffentlichkeit gedeckt und gefördert wurde, in den Wahnsinn oder in den Selbstmord getrieben wurden. Unser Vater Franz war etwa vier Jahre alt, als sie ihn abholten. Er konnte sich nicht mehr genau daran erinnern, aber er hätte nie vergessen können, woher er kam, denn von nun an war er der Vagantenbub. Zuerst kam er zu einer Bauernfamilie, wo er nicht viel schlechter als die eigenen Kinder des Bauern behandelt wurde, ausser dass immer, wenn irgendetwas fehlte, automatisch er der Auserwählte war, dem der Bauer zur Abschreckung vor der versammelten Kinderschar mit der Weidenrute den nackten Arsch so gründlich versohlte, bis das Blut tropfte. Als er zehn Jahre alt war, haute er das erste Mal ab, er wollte seine Eltern suchen. Mit elf kam er erstmals in ein Heim für Schwererziehbare. In regelmässigen Abständen suchte er das Weite, doch immer wieder wurde er erwischt und eingebuchtet, auch wenn er es einmal, da war er etwa dreizehn, bis nach Spanien schaffte, wo er fast ein halbes Jahr verbrachte, bis er verhaftet und in die Schweiz zurückspediert wurde, wo sie ihn im nächsten Heim verlochten. Franz machte brutale Erfahrungen, erlebte schlimmste Demütigungen und Erniedrigungen, über die er uns gegenüber aber höchstens Andeutungen machte. Durch Zufall kam er dann zu einem Dachdeckermeister, wo er eine Lehre machen konnte und das erste Mal in seinem Leben wie ein normaler Mensch behandelt wurde, denn seinem Chef war es egal, was einer war, ihn interessierte nur, was einer leistete. Natürlich hatte Franz einen Vormund. Damit er diesen loswerden konnte, meldete er sich bereits mit achtzehn, nach dem Ende der Lehrzeit, zum Militär und absolvierte die Rekrutenschule, damit er schneller die Volljährigkeit erlangte. Nach dem Militär suchte er seine Eltern, von denen er erst jetzt, als er endlich seine Schriften hatte, wusste, wie sie hiessen. Aber der Raub der Kinder hatte die Ehe seiner Eltern zerstört. Die Mutter war bald darauf wegen Depressionen und moralischem Schwachsinn, wie es hiess, in die Psychiatrische Klinik Waldhaus in Chur eingeliefert worden, wo sie nicht lange überlebte. Mit seinem Vater und dessen neuer Frau fuhr Franz dann einige Jahre durch die Schweiz, Italien und Frankreich. Er lernte Korben und Schleifen, und wenn er uns darüber erzählte, glänzten seine Augen. Er hätte wohl ewig so weitergelebt, wäre ihm nicht Ursula, unsere Mutter, über den Weg gelaufen. Obwohl er sich geschworen hatte, sich nie mit einer Sesshaften einzulassen, hatte er sich unsterblich verliebt, und als Ursula wusste, dass sie schwanger war, heirateten sie, und sie zogen in das kleine Haus im Cheibeloch, das einem Onkel von Ursula gehörte."

"Du bist ja immer noch bei Adam und Eva", stöhnte Eric, der mit frischen Drinks von der Theke her aufs Podest kletterte. Sie prosteten sich zu, Vreni und Eric küssten sich. "Leg mal einen Zahn zu, Tom, sonst sind wir morgen noch da. Ich habe noch auf etwas anderes Lust, als auf alte Geschichten", sagte Eric.
"Du wirst schon nicht zu kurz kommen", sagte Vreni. "Du musst dich nur ein wenig gedulden. Für dich ist das kalter Kaffee, aber für mich ist das hochinteressant. Erzähle ruhig weiter, Tom!"
"Franz machte das Lastwagenbillet und fuhr während fast dreissig Jahren für dieselbe Baufirma, bis er vor einigen Jahren während einer Fahrt einen Herzinfarkt hatte und starb. Die Ungerechtigkeiten und Misshandlungen, die seine Kindheit und seine Jugend geprägt hatten, führten bei ihm zu einem unbändigen Gerechtigkeitsgefühl und zu einem automatischen Reflex gegen alles, was nach staatlicher oder behördlicher Autorität aussah. Auf Anregung von Ursula, die im Konsum gearbeitet hatte und gewerkschaftlich organisiert war, wurde er Mitglied der Gewerkschaft der Bau- und Holzarbeiter, wo er bald zum Vertrauensmann gewählt wurde. Die meisten seiner Arbeitskollegen waren italienische Emigranten, und da er Italienisch sprach, hat er sie beraten, und sie kamen oft zu Besuch. Dann brachten sie Wein, Brot und Salami mit, und hin und wieder, wenn wir zu aufdringlich waren, gab uns Claudio, ein älterer Sizilianer, der als Polier arbeitete, einen kleinen Schluck Grappa, an dem wir uns die Lippen verbrannten. Erst als wir grösser waren, realisierten wir, dass die Einzigen, die uns besuchten, Verwandte oder Vaters Arbeitskollegen waren. In der Schule wurde uns schnell klar gemacht, dass wir als Zigeuner Menschen zweiter Klasse waren. Vince, der in der Hochgasse wohnte und ein Stück weit denselben Schulweg hatte wie wir, war das einzige Kind, mit dem wir spielten. Franz hatte ein altes Jagdgewehr, mit dem er gelegentlich in den Wald ging, damit auch wir hin und wieder Fleisch auf dem Teller hatten. Doch eines Tages, es war an einem Samstagabend, ich weiss es noch genau, fuhr ein Streifenwagen vor. Franz stritt lautstark mit den Polizisten, denn er war der Meinung, dass das Wild allen zustand und nicht nur den Reichen, da packten sie ihm plötzlich die Hände auf den Rücken und legten ihm Handschellen an. Eric war erst vier Jahre alt, aber er warf sich den Bullen in die Beine und verfluchte sie als Banditen und Verbrecher, wie er das von Franz gelernt hatte, bis er eine wuchtige Ohrfeige eines Bullen kassierte und zu Boden flog. Mitsamt dem Gewehr nahm die Schmier Franz mit auf den Posten. Am nächsten Tag war er wieder da, aber das Gewehr war weg, und er gab die Wilderei auf, da ihm eine längere Gefängnisstrafe drohte, falls er noch mal erwischt würde. Natürlich hat er sich furchtbar aufgeregt, doch er fand seinen Humor bald wieder und kaufte sich eine Fischrute, mit der er sich fortan wenigstens an der Fischzucht schadlos hielt. In der Schule behandelten uns die Lehrer wie der letzte Dreck. Es gab eine Ausnahme, die aber bloss die Regel bestätigte. Die Schulkollegen schnitten uns, und doch spürten wir damals wenig davon, dass die Fahrenden von den Behörden systematisch diskriminiert und unterdrückt wurden. Natürlich mussten wir uns auf dem Pausenplatz immer wieder gegen Kläffer durchsetzen, die uns als Vaganten, Bastarde, Dreckzigeuner, Hudere-Waser oder als Gauner und Halunken bezeichneten. Wir haben uns oft geprügelt, und normalerweise haben wir gewonnen, was in der Regel Strafen absetzte, denn die Verprügelten rächten sich, indem sie uns bei den Lehrern verpetzten. Einmal versohlte mir mein Sechstklasslehrer nach einer Schlägerei auf dem Schulhof vor der ganzen Klasse mit einem Rohrstock den Arsch derart, dass die Striemen am Abend noch gut zu sehen waren und Mutter mich fragte, was los gewesen sei. Am nächsten Tag klopfte es an der Schulzimmertür, und ich hörte, wie Franz dem Lehrer vor der Türe lautstark den Kopf wusch. Das war äusserst ungewöhnlich, denn die Lehrer galten noch als unangefochtene Autoritätspersonen. Mit rotem Kopf kam der Lehrer, der für seinen autoritären Stil berüchtigt war, wieder ins Schulzimmer, und ich war darauf gefasst, dass ich an die Kasse kommen würde, aber er sagte kein Wort, und seither wagte es kein Lehrer mehr, einen von uns zu verprügeln. Von da an mussten wir immer nachsitzen. Ursula, die wieder im Konsum arbeitete, seit auch Eric in die Schule ging, litt mehr unter der gesellschaftlichen Isolation, doch auch das haben wir erst viel später begriffen. Obwohl sie in der Damenriege turnte, kam nicht eine ihrer Turnkolleginnen bei uns zu Besuch. Im Gegensatz zu Franz war und ist Ursula eine besonnene Person, die nie die Ruhe verliert. Ich habe mehr von ihr mitbekommen als Eric, der eher dem Vater nachschlägt und deshalb auch immer mehr Probleme hatte."
"Vince hat mir einige Müsterchen erzählt", sagte Vreni grinsend.
"Wenn das so weitergeht, weisst du bald besser Bescheid über mich als ich", sagte Eric gähnend.
"Sei doch froh, dass ich Vreni aufkläre, sonst musst du ihr alles beichten" grunzte Tom. "Also, ich will Eric nicht unnötig auf die Folter spannen, bis er seinen Trieben freien Lauf lassen kann. Jedenfalls hat es uns stark geprägt, dass wir die Söhne eines Jenischen waren, aber nicht weil wir ein anderes Leben geführt hätten als unsere Schulkollegen. Wir wurden als Zigeuner behandelt, weil die Leute wussten, dass wir welche waren. Wir reagierten darauf einerseits mit Prügel. Vor allem Eric war ein unglaublich zäher Schläger. Oft verprügelte er stärkere Jungs, weil er mehr einstecken konnte als sie, weil er durchhielt, bis die anderen schlapp machten. Er kannte weder Angst noch Schmerz, solange er sich prügelte. Dabei jammerte er sonst wegen jedem kleinen Blessürchen. Andererseits schotteten wir uns vom Dorfleben ab. Während der Primarschule verbrachten wir unsere Freizeit in den Wäldern rund ums Cheibeloch, und später gingen wir direkt in die Stadt. Nur Eric ging ab der dritten Klasse ins Training des Fussballclubs, wo sie ihn anfänglich zwar hänselten, ihn aber schnell in Ruhe liessen und akzeptierten, denn er war ein Talent und bald der beste Torschütze der D-Juniorenmannschaft."
"Und wenn er nicht gestorben ist, lebt er noch heute!", sagte Eric.
"Wenn es dich langweilt, hole uns noch was zu trinken, und ich verspreche dir, mich kurz zu fassen", gab Tom zurück. Schulterzuckend spielte Eric erneut den Kellner, während Tom den Faden wieder aufnahm. "Seine Karriere dauerte jedoch nicht sehr lange, denn nach etwa zwei Jahren, er stand kurz davor, in die C-Juniorenmannschaft aufzusteigen, wurde aus der Teamkasse Geld gestohlen. Ich weiss nicht mehr wie viel, aber es war kein grosser Betrag. Obwohl Eric wie alle anderen beim Training war, als der Diebstahl entdeckt wurde, und man auch bei der Durchsuchung seiner Kleider nichts fand, war klar, dass nur der kleine Hudere-Waser, wie sie ihn jetzt wieder nannten, der Dieb gewesen sein konnte. Weil sie ihm aber nichts beweisen konnten, schickten sie ihn bloss weg und sagten ihm, er solle sich nie wieder blicken lassen. Das machte ihn ziemlich fertig, vor allem, dass ihm auch seine Teamkollegen nicht geglaubt hatten. Ursula überredete ihn, in Olten, wo man ihn nicht kannte, mit Tennisspielen zu beginnen. Es zeigte sich, dass er auch an diesem Sport Freude hatte, und er trauerte dem Fussball nicht mehr nach, auch wenn er nie vergass, wie sie ihn damals weggeschickt hatten. Ursula haben wir viel zu verdanken. Immer wieder wiegelte sie ab, wenn wir uns über Diskriminierungen aufregten und Rachepläne schmiedeten. Franz war viel zu impulsiv, ihm erzählten wir selten etwas, weil wir genau wussten, wie er ausflippen konnte. Ursula dagegen ist die Ruhe in Person, ohne uns zu bevormunden, brachte sie uns fast immer dazu, dass wir unsere Pläne unverrichteter Dinge begruben. Das Gerede der Leute war ihr schon immer völlig schnuppe. Es interessierte sie auch wenig, wie sich einige ihrer Freundinnen das Maul aufrissen, als vor drei Jahren Grossmutter Neumitglied der ausschliesslich von Frauen gebildeten Guggenmusik Schräge Vögel wurde."
"Zum Glück ist der Barmann neu im Geschäft, sonst wäre ich wieder zu früh gewesen", sagte Eric, der mit zwei Drinks und einem Kaffee aufs Podium zurückkehrte.
"Ich glaubte, dich einigermassen zu kennen, nachdem ich einige deiner Freunde ausgequetscht hatte, und jetzt stellt sich heraus, dass ich nicht den Hauch einer Ahnung hatte. Ich möchte mich entschuldigen für meine Bemerkung im Ka...", sagte Vreni.
Eric unterbrach sie. "Du brauchst dich nicht zu entschuldigen. Wie du sagst, du hattest keine Ahnung. Wenn du mehr über den rassistischen Krieg wissen willst, den die vordergründig zivilisierte Schweiz gegen das Volk unseres Vaters geführt hat, dann lies bei Mariella Mehr nach. Sie hat geschafft, was unser Vater nicht einmal innerhalb seiner Familie konnte. Sie hat die Schändungen, Erniedrigungen und Folterungen, die sie in privaten und öffentlichen Institutionen in diesem Land unschuldig erleiden musste, literarisch aufgearbeitet und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Ihre Bücher stehen ebenso in meinem Büchergestell wie Thomas Huonkers historisches Werk "Fahrendes Volk - verfolgt und verfemtÜ, das erst kürzlich herausgekommen ist. Das Unrecht ist dokumentiert, aber es interessierte sich immer nur eine kleine Minderheit dafür, und Franz erlebte es nicht mehr, dass sich ein Bundesrat endlich für die begangenen Verbrechen entschuldigte. Aber es blieb bei hohlen Worten, und es wurden bis heute nur lächerlich kleine Summen als Wiedergutmachung ausbezahlt. Die Fahrenden kriegten keine neuen Standplätze und auch die alte Forderung nach einer einheitlichen Hausiererregelung in allen Kantonen wurde nicht erfüllt. Ausser, dass die Behörden ihnen nicht mehr die Kinder klauen dürfen, hat sich ihre Situation nicht gebessert."