"Zum Fisch musst du Geranien essen"

Leseprobe


Kurzgeschichten

87. Geschichte
Narrengeschichte

 Es war einmal ein Frosch. Ein dicker, blöder Frosch. Nie hatte er es geschafft, etwas zu sein. Mit dem Alter, schon ganz verwarzt und qualläugig, sagte er: "So, fertig! Jetzt muss etwas geschehen. Bin ich auch warzig und qualläugig, so lass ich mir doch nicht von jedem Idioten auf der Nase rumtanzen." Sprach's, blies sich auf das Drei- bis Vierfache seines Volumens auf, und beim Ablassen liess er ein so riesiges Trompetengedröhn erschallen, dass männiglich erschrak und das Weite suchte. Den frei gewordenen Platz inspizierte er mal genauestens, dann bezog er ein grosses Haus, fest gebaut inmitten von Seerosenteichen. Wer sich getraute, vorsichtig wieder in die Gegend zu ziehen, begegnete dem Quallfrosch mit Hochachtung.

 
95. Geschichte
Kolibris denken anders

Kolibris denken anders, deshalb ist es so schwer für sie, einen passenden Käfig zu finden. Denn wohl jeder weiss, dass er einen Käfig braucht, aber es muss eben der richtige sein. Wenn es der richtige ist, dann denkt man nicht, dass es ein Käfig ist. Deshalb rufe ich die Halter von Kolibris auf: Überlegt euch gut, in was für Käfige ihr eure Vögelchen setzt. Denn was nützt euch ein Kolibri, der sich unglücklich zu Tode grämt. Ein Kolibri ist eben ein besonderes Vögelchen, winzig klein und flimmernd und schimmernd und blitzgeschwind. Unsichtbare Zwitschervögelchen.


103. Geschichte
Die erotische Libelle

Die Libelle ist ein erotisches Liebesobjekt. Ein sirrendes, flirrendes, schimmerndes, wimmerndes, ein schleierndes und weihendes. Aber nicht: weinend. Nein, nein. Nie.

Flirrend und sirrend und wimmernd und schimmernd und räkelnd und häkelnd. Letzteres ist eigentlich gar nicht erotisch. Denn wer häkelt? Natürlich die Grossmutter, und die hat ihre erotischen Träume ausgeträumt, bevor sie nur schlafen gegangen ist. Zum Glück gibts noch eine Enkelin. Die ist nicht zu faul zum Träumen und Spintisieren und Flirren und Sirren und Wimmern und Schillern und …

 
105. Geschichte
Krokodilstränen fliessen zäh

 Krokodilstränen fliessen zäh. Zäh wie Lava. Und heiss wie Lava. Niemandes Herrn. Und niemandes Sklave. Versteht man zu kapitulieren, versteht man alles. Solange die Bäckerei geöffnet ist, gibts Brot. Und solange dein Kiosk funktioniert, gibts Wasser. Wasser und Brot, davon will ich leben. Und dicke Backen und runde Backen und Arschbacken. Nein, keine Arschbacken, aber Penisse, runde, weiche, schlaffe Penisse, und runde, pralle, feste Eierlein. Das sind meine Lieblingsmenus an Sonn- und Feiertagen.

 
200. Geschichte
Was ist wichtiger: Putzen oder Sex?

 Ich würde sagen: Putzen. Oder doch nicht? Eher Sex? Das ist wirklich eine schwierige Frage. Ob man sie einmal dem Papst vorlegen sollte? Er selber wird wohl nichts von beidem praktizieren. Aber eine Meinung dazu hat er sicher. Wahrscheinlich wird er sagen: Putzen ist die zwar niedrige, aber vor Gott gewiss nicht geringere Arbeit, die eben dieser Gott den Frauen huldvoll zugewiesen hat. Sex ist etwas, das es gar nicht gibt, obwohl es seltsamerweise doch vorkommt; wenn es vorkommt, dann unter Menschen, die in der Finsternis wandeln. Es ist die vornehme Aufgabe der Kirche, den Sex zu verbieten, unter Todes- bzw. Höllenstrafe zu stellen und so den Menschen die Möglichkeit zu geben, im Licht Gottes zu wandeln.

 

Autobiografisches

Malferien am Abend

Jeden Abend mache ich eine Zeichnung, oder besser: male ich ein Bild. Das tue gut, hat mir einmal jemand gesagt.

Eine Zeichnung sei wie ein Verbindungsglied zwischen Leib und Seele, zwischen Innen und Aussen, zwischen Bewusstsein und Unbewusstsein. Das habe ich mir zu Herzen genommen und bemühe mich nun also tapfer jeden Tag von Neuem, diese Brücke zwischen Innen und Aussen zu schlagen. Eigentlich finde ich es ziemlich blöd, einfach so ein Farbendurcheinander zu produzieren, aber ich scheine das nun eben nötig zu haben. Drum also, frisch drauf los! Farben, Papier, Pinsel, Wasser geholt, und los gehts!