Interview im
Blick vom 11.12.04
Viel Musik in Buch von
Glück
St. Gallen. Die Kroatin
DragicaRajäc (45) verdreht deutsche Worte und spielt
mit ihrem Sinn. So gelingen ihr ganz besondere
Gedichte.
BLICK: Warum schreiben
Sie so ein komisches Deutsch?
Dragica Rajcic: Der Grund ist meine Grossmutter. Sie
sprach dalmatinischen Dialekt und weil ich viel allein war
und sie sehr liebte, nahm ich ihren Dialekt an, wofür
mch die Kinder in meinem Dorf Split auslachten. Diese
Grossmutterform habe ich in die deutsche Sprache
übernommen.
Setzen Sie Ihrer
Grossmutter so ein Denkmal?
Nein. Ich stelle die deutschen Worte bewusst um und nehme
mir so die Freiheit, etwas anderes zu machen.
Es ist doch
anstrengend, die Worte zu verdrehen?
Nein, ich sehe in jedem Wort zwei Bilder. Zum Beispiel
im Wort Malen: Es bedeutet Kaffee malen und Bild malen.
Liest man Ihren neuen
Gedichtband "Buch von Glück" hintereinander weg, ohne
auf den Inhalt zu achten, hört man eine wunderbare
Melodie. Ein bisschen erinnert die Musikalität an das
Wortgeklingel der Elfriede Jelinek. Ist sie Ihr Vorbild?
Nein. Wenn man solange schreibt wie ich, hat man einen
Fundus von Seelenverwandten, aber keine Vorbilder mehr, man
muss es selber machen.
Sie sind geschieden und
bringen Ihre drei Kinder allein durch. Sind Sie
Feministin?
Ja, in meinem Sinne. Ich bin damit aufgewachsen, dass
Frauen als das schwache Geschlecht gelten, aus dieser
Tatsache heraus habe ich langsam meine
Rückschlüsse gezogen.
Männer haben aber
vor Feministinnen Angst.
Der Mann der kroatischen Feministin Slavenka Dralmlic
sagt, es sei für ihn eine Ehre mit einer Feministin
verheiratet zu sein.
INTERVIEW: LILITH FREY
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