Rezension in der Neuen Luzerner Zeitung vom 10.12.02

Augenblicksbilder

Vom Naheliegenden, von unmittelbarer Wahrnehmung gehen die Gedichte der 1951 in Widnau geborenen Brigitte Fuchs aus. Doch was sie herbeirufen an Konkretem, an Atmosphären und Stimmungen, ist nur der Ausgangspunkt zu einer Gedankenlyrik, die es fertig bringt, mit Leichtigkeit vom Gegenständlichen wegzukommen, zu reflektieren über Leben, Befindlichkeit und Wahrnehmung; darüber, was es heisst, in Gesellschaft zu sein oder einsam, wie man sich seinen Ort in der Welt erkundet.

"Die Sätze einer vor dem anderen.
Die Ellbogen gegen den Wind.
Selbst von den starren Dingen
lässt sich kein klares Bild machen.
Auf dem Laufsteg der Worte mit
anderen Worten.
Jedes hat mit
uns zu tun.
Siehst du. Und fällt"

So steht es in dem Gedicht "Aus keiner Höhe", das ein Beispiel gibt, wie Brigitte Fuchs Erhellung aus unvermuteten Zusammenhängen gewinnt, wie sie Disparates zusammenbringt und über solch ungewöhnliche Zusammenklänge hinaus sichtbar macht, was es heissen kann, über das Gewohnte und Erstarrte hinauszukommen.

Urs Bugmann