Rezension in der Basler Zeitung vom 22.6.06 (Auszug)

Zuweilen stirbt der Wurm als Held

Quer zum Mainstream: Unbeachtete Bücher, die Beachtung verdienen

Markus Bundi

Bevor sie in die Ramschkisten geschwemmt werden: Auch in dieser Literatursaison gibt es kleine, feine Entdeckungen.

Es gibt Bücher, die zwischen Stuhl und Bank zu fallen drohen. Und eigentlich gilt das mittlerweile für alle literarischen Publikationen, die nicht dem so genannten Mainstream entsprechen. Wer im Hauptstrom mitschwimmen will, sollte sich sehr bald nach Erscheinen auf einer der Bestsellerlisten wiederfinden. Hier beginnt - und endet - die alte Diskussion zwischen E und U, zwischen Kunst und Kommerz... Was ist das künstlerisch hoch stehende Buch denn wert, wenn es nicht einmal den Weg in die Buchhandlung schafft?
Man kann den Literaturbetrieb, beziehungsweise den „Markt“, getrost beiseite lassen, er funktioniert so oder so. Die Frage ist eine andere: Was lässt sich nicht kaufen? Die Antwort ist verblüffend einfach: Lesezeit. Wer ein Buch geschenkt bekommt, ja, selbst dann, wenn sie oder er sich zum Kauf einer Neuerscheinung hat hinreissen lassen, ist deswegen noch lange nicht gezwungen auch zu lesen.

(...)

KONKRETE POESIE. Reisen wir weiter zu einer Untergruppe der Lyrik, der konkreten Poesie. Gibt es die denn noch? – Nichts ist heute verbreiteter. Denn eine Vielzahl heutiger Werbeslogans ist ganz konkret der konkreten Poesie geschuldet. Es erstaunt nicht, dass ausgerechnet Frank Bodin, einer der bekanntesten Schweizer Werber, vor zwei Jahren mit „Katz und aus" einen solchen Band herausgab. Da geht es mit Wörtern drunter und drüber - und schon liegt wieder ein Buch auf der Hand: „Salto wortale“ von Brigitte Fuchs, druckfrisch, mit 22 Versuchen, bis der Vers gefunden ist, da und dort Kleingedrucktes, begleitet von Beat Hofers Wortbildern - und bis zum Ende weiss das Tausendguldenkraut nicht, was ein Euro ist. Gewiss nur für schwindelfreie Leser…