Die Teufelspferdchen: Besprechung in
Kritische Ausgabe - Signale aus dem Kulturbetrieb

Verloren habe ich mich im Sommer im "Gesamtwerk" Tomás González', DEM aufstrebenden Stern am kolumbianischen Literaturhimmel, der vom Feuilleton gerne in die Tradition eines Gabriel García Márquez gestellt wird. González versteht es in schlichten, sanft fließenden Worten, virtuose Bilder zu zeichnen, die Bleistiftskizzen bleiben und den Leser herausfordern. Horacios Geschichte, eine Geschichte der verbleibenden Lebenszeit als Folge letzter Herausforderungen und Zumutungen, hat mich einen wunderbaren Sonntag lang gefesselt und einen wunderbaren Sommer lang nicht mehr losgelassen. Alles an dieser Geschichte war alltäglich und nichts daran war oberflächlich, alles war nur anskizziert und nichts fehlte in dieser Studie. Nie zuvor habe ich so viel Leben zwischen zwei Buchdeckeln gefunden. Absolut stark. Mit Die Teufelspferdchen habe ich nun eine ewige Orangenplantage, keine weitere Skizze, sondern eine Überskizzierung des Eigentlichen in mir. Ein "must have" für jeden meiner Freunde in diesem Jahr zu Weihnachten: die "Kopie" einer dieser Zeichnungen, eine Kurzgeschichte, die ein ganzes Leben bedeutet. Ein ganzes Leben in all seinen lustvollen wie abgrundtiefen Schlechtigkeiten: Ein unwahrscheinliches Grün.

Julia-Rebecca Riedel