Rezension in PS


Krimi der Woche

Peter Staub präsentiert in seinem Thriller "Hudere-Waser" zwei zentrale Elemente: Eine Schilderung der alternativ-linken Szene Oltens und eines Übergriffs des Schweizer Staatsschutzes. Im Zentrum steht Eric Waser, heute Taxichauffeur, früher Politaktivist und immer noch wehrhaft.

Zurück aus den Ferien holt ihn Vreni König ab. Mit ihr hatte er ein kurzes Abenteuer; dass sie von ihm schwanger ist, nimmt er als gegeben hin. Es entwickelt sich eine gute Liebesgeschichte, die er zwar nicht ganz begreift, die ihm aber durchaus recht ist. Zumal Vreni ihm als Mitarbeiterin der bürgerlichen Zeitung auch noch helfen kann. Die Beziehungen zur damaligen SP-Zeitung, die es heute leider nicht mehr gibt, hat er selber noch. Weniger gut als das Privaleben entwickelt sich sein sonstiges Leben. Der Beruf des Taxichauffeurs gefällt ihm zwar, aber er wird vom Geheimpolizisten Schwitzer gedrängt, für ihn zu spitzeln. Wenn er nicht mitmache, werde seine Vergangenheit wieder aufleben: Erich hat eine Gefängnisstrafe hinter sich. Er denkt aber nicht daran, sich der Drohung zu beugen: Erstens, weil er sicher kein Spitzel werden will, und zweitens, weil er, ein Verdingkind, das sich gegen die Pro Juventute gewehrt hatte, sich grundsätzlich nicht bedrohen lässt. Zusammen mit Vreni und Ruth, die Beziehungen zu den grossen Medien hat, baut er für den Staatsschutz eine Falle auf.

Der Krimi hat seine Stärken. In erster Linie die Schilderung des ganzen links-alternativen Spektrums von Olten. Es kommt von der SP zur Landkommune alles vor; die politischen Inhalte und Ziele werden seitenlang und recht originaItreu zusammengefasst, was eher ungewollt zur Satire führt. Es werden viele Aspekte der jüngeren Schweizer Geschichte (insbesondere der Polizeigeschichte) behandelt. Die persönlichen Beziehungen kommen nicht zu kurz, und die Wandlung von der Kommune zur mittelständischen Gemeinschaft wird ohne Häme geschildert. Das Buch hat auch Schwächen. Neben der teils eher gesuchten Geschichte ist es die Sprache: Der Autor kann sehr eingehend die Atmosphäre schildern, er hat einen Blick für Details, aber er ist kein wirklicher Schriftsteller. kl.