Rezension auf www.lyrikwelt.de

Es gibt viele Gründe, Lyrik zu schreiben. Eine der Wichtigsten ist Lyrik zu lieben.

Dass Brigitte Fuchs Lyrik liebt, steht ausser Frage. Schlägt man ihr Buch "solange ihr Knie wippt" auf, wird man begrüsst mit dem Zitat Ernst Blochs: "Der Traum vom menschlich Gemässen ist nirgens zage", dem das Gedicht "Das Konstruieren von Atmosphäre" von William Carlos Williams folgt.

Den Gedichten Williams sind die Gedichte der mehrfachen Literaturpreisträgerin verwandt. Wie er schafft sie es, Atmosphären einzufangen, sie in scheinbar nebensächlichen Augenblicken zu sammeln und in einer lockeren Gedichtform zu einem homogenen Gebilde zu formen.

Nicht selten schreibt sie ohne Punkt und Koma, verzichtet auf Zeilenumbrüche und Satzenden, zwingt den Leser schon beim Lesen sich mit dem Gedicht auseinanderzusetzen. Gerade diese Form beeindruckt, macht atemlos beim Lesen.

Mir gefallen ihre Gedichte, die in einer scheinbaren Spontanität geschrieben zu sein scheinen. Dass diese Einschätzung falsch ist, sie im Gegenteil bestens durchdacht sind, zeigen nicht nur die oft überraschenden Gedichtendungen.

Die Wirkung ihrer Gedichte ist ihr bekannt, denn im Gedicht "Himmel. Nochmal" gibt sie ein Verständnis ihres Schreibens bekannt: ".. Lege Gedichte aus. Leimruten. Schlingen."

Ich gehe diesen Gedichten gerne auf den Leim, sie faszinieren mich. Es ist ein Buch von einer Dichterin für Dichter geschrieben, denn hier finden sie sich wieder, finden eine Legimitation für ihre Kunst, z.B. im Gedicht "Blickfang": ".... Und wer soll uns hindern auf Blickfang zu gehen. Beute zu machen zwischen hereinfallenden Streifen aus Farbe und Licht?".

Aber dieses Buch nur den Dichtern zu widmen, hiesse ihm nicht gerecht werden. Ihre Gedicht erfrischen den Lesenden, wirken befreiend, fast tröstlich, wenn sie schreibt:

Destination
Die Flucht nach vorne drückt uns sanft
in die Polster beruhigend zu wissen
dass unsere Berfürchtungen
zusammengefaltet in bruchfesten
Schalenkoffern liegen im Frachtraum
stapeln sie sich zu kopflastigen Bergen
während uns über den Wolken die
seltsame Gewissheit beflügelt wir werden
woanders ankommen und die auf uns
warten werden uns in die Arme schliessen.

Es stimmt zwar, wenn sie an anderer Stelle schreibt: "es ist möglich ohne Lyrik zu leben", aber ohne Lyrik wäre das Leben ein wenig trister, ein wenig schwerer, ein wenig kälter und ohne diese Gedichte ein wenig leerer. So möchte man sie gerne ermutigen, ebenso wie im Gedicht Um es nicht zu vergessen "ihre Lippen aufzuwerfen" und weiter ihre Lyrik zu schreiben.

Ein Buch, das ich sehr gerne empfehle.

Annette Gonserowski