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Rezension im Bund vom 16.10.2004 Auf der Fährte der "Alpen-Stasi" Die Allmacht des Staatsschutzes und der Kampfesmut eines linken Aktivisten: Das ist der Stoff von Peter Staubs erstem Roman. Charles Cornu Olten ist kein schlechtes Pflaster für literarische Querdenker. Das zeigte sich nicht nur seinerzeit bei der Gründung der Gruppe Olten, sondern tritt auch in diesem und jenem Buch von Alex Capus in Erscheinung. Und geradezu eine Hauptrolle, zumindest hinsichtlich des Lokalkolorits, kommt dem Städtchen mit seinen Spunten und Beizen, mit Fabriken und Hinterhöfen und dem ganzen Szenewesen im Roman "Hudere Waser" zu. Manchmal tut der Autor, Peter Staub, allerdings des Guten zu viel: Nicht die Anhäufung von hunderterlei konkreten Einzelheiten, wie er sie betreibt, sondern die kritische Auswahl formt zuletzt ein Bild mit Aussagekraft, schafft die Verdichtung der Atmosphäre. Doch ist einzuräumen: Staub hat anderes, quasi Wichtigeres im Sinn. Er strebt nicht mehr und nicht weniger an als eine Art Polit-Thriller, was ihm - zugegeben - in der zweiten Hälfte des Buches einigermassen gelingt. Und zwar einen Thriller, der fest in links-oppositionellem Boden wurzelt und letztlich dem hiesigen "bürgerlich- kapitalistischen Überwachungsstaat" zünftig auf die Finger haut. Staubs Held heisst Eric Waser und ist, dem 1962 geborenen Autor darin nicht unähnlich, Teilzeit-Taxichauffeur, Teilzeit-Student und Vollzeit-Rebell. Überdies ist er Abkömmling von Fahrenden (darum sein Übername Hudere-Waser). Wasers jenische Herkunft führt den Erzähler denn auch mit augenfälliger Zwangsläufigkeit zur ominösen Aktion "Kinder der Landstrasse" - ein Thema, das Mariella Mehr allerdings authentischer und literarisch gewichtiger abgehandelt hat. Die Fichen-Affäre, Anti-AKW-Aktionen, die Abstimmung Schweiz ohne Armee sind weitere Partikel, die in langen Beizen- und WG-Gesprächen und Monologen erörtert werden. Und wenngleich der Autor ab und zu handfesten Sex hineinpfeffert, die theoretisierende, politisch ausgerichtete Vorgeschichte wird damit nicht unbedingt süffiger. Aber dann tritt Christian Schwitzer auf, gewissermassen ein Superschweizer mit aggressivem tz im Namen. Mit diesem Mann bekommt der Unrechtsstaat ein Gesicht und der tapfere Kämpe Hudere-Waser einen Gegner, den er direkt attackieren kann. Schwitzer nämlich ist etwas Höheres in einer Art "Alpen-Stasi"; er will Waser auf Grund von dessen Vergangenheit und mit Hilfe einer aktuellen Liebesbeziehung in die Aufgaben eines "Informellen Mitarbeiters" nötigen. Aber oha! Waser kehrt den Spiess raffiniert um, und Schwitzer steht am Ende mit abgesägten Hosen da. Hudere-Waser aber ist wieder um eine bittere Erfahrung mit seinem Staat und Leuten seiner Umgebung reicher geworden. Das alles und noch einiges mehr wird von Peter Staub mit viel Eifer und todernster Gesinnung erzählt. Aber gut gemeint ist noch nicht gut gemacht: Staub und seine Lektoren hätten sprachlich wie kompositorisch noch einiges verbessern können.
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