Rezension im St.
Galler Tagblatt vom 24. Mai 2004
Krimi um die
Fichenaffäre
Peter Staub liest
morgen im «Engel» erstmals aus seinem
Kriminalroman «Hudere-Waser»
Der in Biel wohnhafte
Schriftsteller Peter Staub legt ein spannendes Erstlingswerk
vor. Hintergrund des Kriminalromans ist der
«Schnüffelstaat Schweiz». Premiere der
Lesetour ist in St. Gallen.
Ruedi Studer
Hauptfigur ist der
30-jährige Eric Waser. Ein linker Utopist und
ehemaliger Anti-AKW-Aktivist, der sich als Taxichauffeur
seinen Lebensunterhalt verdient, sich aus dem politischen
Leben aber weitgehend verabschiedet hat und seine Freizeit
am liebsten mit dem Lesen politischer Literatur und dem
Rauchen von Joints verbringt. Peter Staubs Geschichte
beginnt im Frühjahr 1990 mit der Rückkehr Wasers
von einer Reise. Auf dem Perron des Bahnhofs Olten wird er
von seiner Liebschaft Vreni abgeholt, die er kurz vor seinen
Ferien kennen gelernt hatte. Nach einem gemeinsamen
Nachtessen fahren sie zu Wasers Stammbeiz, wo sie auf seinen
Bruder Tom treffen. Hier erfährt der Sohn eines
«Zigeuners» - deshalb der Titel
«Hudere-Waser» - dass in den drei Monaten seiner
Abwesenheit der Fichenskandal die Schweiz bewege. Weiter
erfährt Waser von seiner Freundin, die für die
konservative «Oltner Zeitung» als Redaktorin
arbeitet, dass sie von ihm ein Kind erwartet.
Spitzel für den Staatsschutz
Kaum hat sich Waser mit
seiner neuen Lebenslage arrangiert, holt ihn seine militante
Vergangenheit ein: Eines Nachts setzt sich ein Fahrgast
namens Christian Schwitzer in sein Taxi. Der behauptet,
für den Staatsschutz zu arbeiten und verlangt von
Waser, sich für eine vorerst noch nicht definierte
Aufgabe bereit zu halten. Zwar weigert er sich
zunächst, mit den «Schlapphüten»
zusammenzuarbeiten, doch der Druck auf ihn und seine
Freundin wird so gross, dass Waser sich als Spitzel
verdingt: Im «Roten Hof», einer
landwirtschaftlichen Kommune, soll er sich an einen der
führenden GSoA-Köpfe ranmachen und ihn
ausspionieren. Eric Waser geht zwar auf den Deal ein,
versucht aber gleichzeitig einen Weg zu finden, Schwitzer
und seine Schergen auffliegen zu lassen. Doch Waser ist
nicht der einzige Spitzel ... Peter Staub gelingt es, ein
Spannungsfeld aufzubauen, das bis ans Ende der Geschichte
aufrecht erhalten bleibt. Bis zum Schluss bleibt offen, wer
der «Maulwurf» ist, der Waser in seinem Kampf
gegen den staatlichen Repressionsapparat sabotiert. Der
Autor wartet mit einem unterhaltsamen Erzählstil auf,
obwohl einzelne Stellen überladen wirken, etwa wenn
Staub die Wohnung oder die Stammbeiz in jeglichen Details
beschreibt.
Ein Stück Politgeschichte
Staubs eigener politischer
Hintergrund kommt in der Geschichte klar zum Ausdruck. So
weiten sich Dialoge zwischen den Protagonisten nicht selten
in politische Diskurse aus. Staub benutzt Waser & Co.
dazu, seine eigenen politischen Ansichten zu transportieren.
Staubs Roman ist darum nicht nur ein spannender Krimi,
sondern auch ein Stück Gesellschafts- und
Politgeschichte.
|