![]() |
Rezension der Schauspielerin Anna Thalbach Konsequent, leichtfüssig und genau erzählt Dieses Buch, diese Geschichte benennt so viele Fragen, Ideen, Ideologien, Träume und Ängste, auf eine mutige, wahnwitzige und charmante Weise. Wenn man beim Lesen die Augen schliessen könnte, wären die Bilder so stark wie die Filme Viscontis, grosses italienisches Kino. Die Gegenwart der Zukunft sind zwei alte Männer in einer Klinik, beide angeschlossen an eine Maschine, die sie am Leben hält. Einer, abhängig vom anderen, beginnt die Geschichte, die Vergangenheit, und zieht uns nach Italien, in die gewaltige Familie der di Stefanos, ein katholisches, reiches, organisiertes, ambitioniertes Rudel, das eine Frau zum Papst macht. Fast wünscht man sich, die ganze Welt würde sich dadurch verändern, aber die Welt dieser Geschichte wackelt ordentlich. Die Neugier auf jede Konsequenz bleibt beständig und man will gar nicht, dass es aufhört. Gleichzeitig bewegt die Erzählung zu eigenen Gedanken, zu grossen Themen wie Religion, Politik, Ethik, Ökonomie, Utopie, Wahrheit und Lüge und natürlich Verantwortung und Liebe. Papanonna ist konsequent, leichtfüssig und genau erzählt. Der Autor liebt seine Figuren, seine Orte, seine Ideen, und das macht sie so dreidimensional. Ich konnte das Sepia sehen, das Blau, das Rot, das Gold. Ich konnte riechen, wies da riecht, und die Geräusche hören, die man hört. Eine Frau als Papst ist sicher das Revolutionärste, was ich in der letzten Zeit erzählt bekommen habe, und ich finde es einen grossartigen, liebevollen Gedanken und Ansatz. Wenn Sie es wollen und zulassen, lieber Leser, dann sehen Sie ein imposantes Epos, welches Sie in ein Haus mit vielen Zimmer führt. Für mich sind dies mitunter die ehrlichsten und besten Geschichten oder Filme oder Bilder, die, die einen einbinden, einen fordern, einen aufregen und beruhigen, die einen träumen, wissen lassen oder Lügen strafen. Heine J. Dietiker weiss, was er erzählen will, und das überträgt sich, seine Achsen sind frech und manchmal unverfroren, aber logisch, Visconti meets Robert Altman. Hinter der grossen Geschichte stehen viele Einzelne, die alle gleichermassen bewegend und spannend sind. Nehmen Sie diesen Roman, packen Sie Ihre Koffer und fahren Sie nach Rom, um dort zu lesen; meine warme und schelmisch lächelnde Empfehlung.
Schauspielerin,
Autorin, Sprecherin, Zeichnerin Anna Thalbach ist
1973 in Berlin geboren und steht seit ihrem
sechsten Lebensjahr vor der Kamera. Neben
Bühnenerfolgen (Mutter Courage, Die heilige
Johanna der Schlachthöfe, Die Möwe) und
zahlreichen Auftritten in Kino (Justiz, Der
Untergang) und in Fernsehproduktionen
fiel
sie als Sprecherin von besonderen
Hörbüchern auf. Sie hat bereits zahlreiche Preise erhalten
(Deutscher Fernsehpreis 2001, Telestar 1993, Max
Ophüls Preis 1992). Neben ihrer Tätigkeit
als Darstellerin arbeitet Anna Thalbach auch
erfolgreich als bildende
Künstlerin.
|
||||